Kategorie: NEWS
Von: Mario Scheuermann
Die angeblich Spieler und Besucher bedrohende Kriminalität Südafrikas fand nicht mal im Ansatz statt.
Weinreporter berichtet: Spirit statt Crime
Der gängigste Scherz dieser Tage am Kap lautet: Paris Hilton und ihre drogensüchtige Gespielin waren die einzigen Kriminellen während dieser vier Wochen. Das stimmt so natürlich nicht wirklich, aber die 44.000 zusätzlichen Polizisten, die der Staat eigens für die WM rekrutierte und rund um die Stadien, Fansmeilen, Public View Äreas und andere touristische Zentren einsetzte, haben mit ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ein wahres Wunder vollbracht. Ich habe noch nie so viele lachende Polizisten gesehen, die sich als Diener ihrer Gesellschaft und als Helfer für die Fremden verstanden haben, wie in dieser Woche in Cape Town. Dazu die zahllosen Volunteers mit ihren gelben Westen. Davon können wir uns alle ein Stück abschneiden.
Der 2,5 Kilometer lange Fans Walk In Kapstadt vor dem Spiel und danach war ausgelassen und fröhlich, alle Fans waren so ein Herz und eine Seele wie ich es noch nie erlebt habe. Einzig einige der britischen Fans – so las ich es in den Zeitungen – waren auch diesmal wieder aus der Rolle gefallen, aber durch das frühe Ausscheiden ihres Teams auch schnell wieder zu hause. Alle anderen liessen sich vom sportlichen Spirit der Südafrikaner anstecken. Denen geht es nämlich weniger darum eine bestimmte Mannschaft – ausser natürlich ihrer Bafana Bafana - anzufeuern. Die wollen einfach ein möglich gutes Match sehen, letztlich egal wer es ihnen bietet. Sie feiern das Spiel an sich und letztendlich den Sieger. Wer so spielt wie die deutsche Mannschaft gegen England oder Argentinien, dem fliegen hier die Herzen zu, und wenn sie gegen einen Gegner wie Spanien knapp verliert, dann leidet man mit ihr. Eins hat der Kollege Stefan Osterhaus von der NZZ in seiner Lobeshyme „Glänzende Perspektiven“ richtig erkannt: die südafrikanischen Fans haben die deutsche Mannschaft quasi adoptiert: Der schwarze Adler und die schwarz-rot-goldenen Streifen auf schwarze Haut, das hat er genauso wie ich registriert, beherrschten die Fanszene.




